Anthropic will kleine Unternehmen mit neuer KI-Offensive erreichen

Das KI-Unternehmen Anthropic richtet seinen Fokus künftig verstärkt auf kleine und mittelständische Unternehmen. Mit „Claude for Small Business“ bringt der Entwickler des KI-Assistenten Claude ein neues Angebot auf den Markt, das speziell für Betriebe wie Cafés, Handwerksfirmen oder lokale Dienstleister entwickelt wurde, also Unternehmen, die bislang oft nur begrenzt Zugang zu leistungsfähigen KI-Werkzeugen hatten.

Die neue Lösung soll künstliche Intelligenz direkt in bestehende Arbeitsabläufe integrieren. Anthropic beschreibt das Paket als Sammlung von Schnittstellen und sofort einsatzbereiten Automatisierungen, die Claude in die Programme einbinden, auf die kleine Unternehmen täglich angewiesen sind. Ziel sei es, Unternehmern zeitaufwendige Routineaufgaben abzunehmen und den Einsatz von KI deutlich praktischer zu gestalten.

Bislang fand die intensivste Nutzung von KI vor allem in großen Konzernen statt. Unternehmen mit hohen IT-Budgets und spezialisierten Teams konnten neue Technologien schneller testen und produktiv einsetzen. Kleine Firmen hingegen blieben häufig bei einfachen Chatbot-Anwendungen stehen. Laut Anthropic liegt das unter anderem daran, dass viele KI-Angebote nicht auf die tatsächlichen Arbeitsweisen kleiner Betriebe zugeschnitten seien.

Das Unternehmen verweist darauf, dass kleine Firmen rund 44 Prozent der Wirtschaftsleistung in den USA erwirtschaften und fast die Hälfte aller Beschäftigten im privaten Sektor stellen. Trotzdem sei ihre KI-Nutzung bislang vergleichsweise gering geblieben.

KI direkt in QuickBooks, PayPal und HubSpot integriert

Die neuen Funktionen laufen über „Claude Cowork“, Anthropics Plattform zur Automatisierung von Geschäftsprozessen. Nutzer können dort einen speziellen Schalter aktivieren, ihre bestehenden Programme verbinden und anschließend Aufgaben auswählen, die Claude übernehmen soll. Die KI arbeitet dabei innerhalb bereits genutzter Softwarelösungen wie Intuit QuickBooks, PayPal, HubSpot, Canva, DocuSign, Google Workspace und Microsoft 365.

Anthropic verspricht dabei zahlreiche vorgefertigte Automatisierungen. So könne Claude etwa Gehaltszahlungen planen, Rechnungen nachverfolgen, Monatsabschlüsse vorbereiten oder Marketingkampagnen erstellen. Die KI analysiert dafür Daten aus verschiedenen Systemen, erstellt Prognosen und formuliert Vorschläge, die Nutzer anschließend freigeben können.

Zu den angekündigten Funktionen gehören unter anderem:

  • automatische Liquiditäts- und Gehaltsplanung auf Basis von QuickBooks- und PayPal-Daten,
  • Unterstützung beim Monatsabschluss inklusive Gewinn-und-Verlust-Auswertungen,
  • Analyse von Verkaufszahlen und Geschäftsentwicklung,
  • Erstellung von Werbekampagnen und Marketingmaterialien über HubSpot und Canva,
  • Vertragsmanagement über DocuSign,
  • Werkzeuge für Steuerorganisation, Kundenservice und Lead-Management.

Insgesamt umfasst das Angebot laut Anthropic 15 sofort nutzbare KI-Workflows für Bereiche wie Finanzen, Vertrieb, Marketing, Personalwesen und Kundenbetreuung.

„KI soll die Arbeit nach Feierabend reduzieren“

Daniela Amodei, Mitgründerin und Präsidentin von Anthropic, bezeichnet KI als Chance für kleinere Unternehmen, bestehende Wettbewerbsnachteile gegenüber Großkonzernen zu verringern.

„Kleine Unternehmen bilden fast die Hälfte der amerikanischen Wirtschaft, hatten aber nie die Ressourcen großer Konzerne“, erklärte Amodei. KI sei die erste Technologie, die diese Lücke schließen könne. Claude for Small Business solle vor allem jene Aufgaben übernehmen, „die sich abends nach Geschäftsschluss auftürmen“ – etwa Rechnungen, Lohnplanung oder Marketingprojekte.

Anthropic betont zugleich, dass die Nutzer die Kontrolle behalten sollen. Jede Aufgabe müsse aktiv gestartet und genehmigt werden, bevor Zahlungen ausgelöst, Inhalte veröffentlicht oder Nachrichten verschickt werden. Zudem würden bestehende Zugriffsrechte aus den verbundenen Programmen übernommen. Daten aus Team- und Enterprise-Tarifen sollen standardmäßig nicht zum Training der KI verwendet werden.

Kampf um Millionen kleiner Unternehmen

Mit der neuen Initiative verschiebt sich der Wettbewerb zwischen KI-Anbietern zunehmend in Richtung Mittelstand und Kleinunternehmen. Während sich viele KI-Firmen bislang auf Großkunden konzentrierten, gelten nun Millionen kleiner Betriebe als nächstes großes Wachstumsfeld. Anthropic tritt dabei gegen OpenAI an, das bereits Ende 2023 „ChatGPT Enterprise“ und später „ChatGPT Business“ für kleinere Teams vorgestellt hatte.

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