Das Geschäft mit der Angst in einer digitalen Welt

Den nachfolgenden Beitrag habe ich im Jahr 2014 geschrieben. In Teilen ist er immer noch höchst aktuell. Allerdings hat sich meine Meinung in Punkto Google & Co. und zum Thema Datenschutz geändert.

Ich bin zwar fast zu 100% digital, dennoch halte ich eine kritische Auseinandersetzung mit den digitalen Medien, ein Hinterfragen der digitalen Informationspolitik, einen starken Datenschutz und das regelmäßige, genussvolle „Abschalten“ heute für wichtiger denn je.

Mit dem nahezu schon fast zwanghaften Irrglauben, wir müssen immer „on“ und überall in den Sozialen Medien präsent sein, hat sich die Menschheit die eigne Rute vor den Allerwertesten gebunden. Im Zuge eines stets zunehmenden Gruppenzwangs, auf Teufel komm raus bei WhatsApp, Instagram oder TikTok einen Account zu besitzen, damit wir um Gotteswillen dazu gehören, haben wir unsere Selbstbestimmtheit an das Smartphone, an diverse Apps, Social-Media-Accounts und die Internet-Riesen abgegeben.

Das Menschsein und das eigenständige Denken haben wir dadurch nicht mehr so richtig im Griff. In diesem permanenten „Getriebenwerden“ vergessen wir leider nur allzu oft, dass die digitale Welt von Ad Tech Unternehmen und Social Media Plattformen regiert wird. In den Fängen einer unglaubliche, gut durchorganisierten Monetarisierungsmaschine, die sehr sehr, sehr scharf auf unsere Daten, unser Geld und unsere Verhaltensmuster ist, werden wir stark beeinflusst und zu Dingen getrieben, die wir eigentlich gar nicht wollen. Tja, shit happens ;-)

Es fehlt eindeutig an Aufklärung. Ein Grund, warum ich mich mit dem Thema Angst, Manipulation, Human Hacking und Social Engineering in Zukunft noch sehr viel stärker in diesem Blog auseinandersetzen werde.

Hier folgt nun mein Beitrag „Das Geschäft mit der Angst in einer digitalen Welt“ aus dem Jahr 2014, den ich euch unverändert im Original präsentiere:

Der Herzschlag erhöht sich, der Adrenalinspiegel steigt, die Pupillen weiten sich, wir sind hellwach und richten unsere ganze Aufmerksamkeit auf die Gefahr. Kaum eine Emotion berührt uns körperlich und geistig so sehr wie die Angst. Dass die Angst ein Bombengeschäft sein kann, haben bereits die religiösen Mächte im Mittelalter gewusst. Und weil Angst reflexartig die Aufmerksamkeit erhöht, wird sie als Marketinginstrument äußerst gern genutzt.

Augenblicklich sollen wir Angst vor Google und all jenen bösen Mächten haben, die unglaublich scharf auf uns und unsere Daten sind. Halt! Stopp! Hat sich eigentlich schon einmal jemand Gedanken darüber gemacht, welchen Aufwand es in personeller und technischer Hinsicht bedeutet, uns alle, Tag für Tag, bis ins kleinste Detail zu überwachen und auszuspionieren? In Deutschland sind das immerhin 81,89 Millionen Bundesbürger, die überwacht und ausspioniert werden müssten. Ich will das Thema Datensicherheit und Sicherheit im Internet hiermit nicht herunterspielen, ganz im Gegenteil, ich halte es für äusserst wichtig. Aber, für wie wichtig halten wir uns alle und zwar jedes einzelne Individuum für sich, dass wir glauben, dass die bösen Mächte scharf auf uns, unser Leben, unsere ganzen bedeutungslosen Handlungen und unsere Daten sind? Sofern wir eine ganz normales und unbescholtenes Leben führen, ist der einzig interessante Aspekte, der für Marketingverantwortliche interessant ist, unser Kauf- und Nutzerverhalten im Internet. Diese Daten werden nicht von menschen, sondern von Nullen und Einsen, von Algorithmen erfasst, analysiert und ausgewertet. Habt ihr etwa Angst vor Nullen und Einsen, oder vor Algorithmen? Ich nicht!

Und wenn ich dann Schlagzeilen wie „Google – Konkurrenten bekennen öffentlichkeitswirksam ihre Angst“ lese, wird mir ganz schlecht. Denn all jene Konkurrenten, die sich jetzt vor der Macht von Google fürchten, und auch wir, jeder Einzelne für sich, haben Google so mächtig gemacht wie es heute nun mal eben ist. Mir zumindestens ist kein Fall bekannt, in dem jemand seit der Gründung von Google im Jahr 1998 dazu gezwungen wurde, die Google-Suche oder die Google-Dienste zu nutzen. 1998 und in den Folgejahren gab es „noch“ viele Alternativen auf dem Markt. Hätten wir diese anstelle von Google genutzt, wäre Google niemals so stark gewachsen.

Die größte Angst, die wir haben, ist die Angst vor Veränderungen. Die sich augenblicklich vollziehende Wandlung in eine digitale Gesellschaft ist eine große Veränderungen. Eine Veränderung, die sich durch nahezu durch alle Lebensbereiche ziehen wird. Und das hat auch der Vatikan mittlerweile erkannt. Am 05.12.2013 verkündete Radio-Vatikan: „Keine Angst vor der digitalen Welt – Die Kirche muss lernen, in den digitalen Kommunikationsformen gut und böse zu unterscheiden, keine Angst vor den Entwicklungen zu haben und sie besser zu nutzen…“
Auch wenn ich ansonsten selten bis gar nicht mit den Ansichten und Äusserungen des Vatikans übereinstimme, muss ich in diesem Fall sagen: Na, das ist doch mal eine Ansage!

Wenn wir lernen „gut und böse“ in der digitalen Welt zu unterscheiden und wenn wir dazu bereit sind stets unsere Medienkompetenz auszubauen und zu stärken, müssen wir keine Angst vor der digitalen Welt haben. Die digitale Welt ist nicht böser als die reale Welt, sie ist einfach nur anders.

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